Am Montag donnerten die Kanonen noch nicht in der Ukraine, wohl aber an der Börse in Moskau und anderen wichtigen Rohstoffmärkten, denn US-Präsident Joe Biden hatte Einheiten der amerikanischen Streitkräfte eine erhöhte Alarmbereitschaft befohlen. Die Truppen sollen sich darauf vorbereiten, im Bedarfsfall schnell nach Osteuropa verlegt werden zu können.     

In Moskau gingen die Kurse der russischen Aktien umgehend in einen Sturzflug über, weil viel westliche Investoren sich vom russischen Markt abwandten und ihr Kapital in Sicherheit brachten. Doch nicht nur in der russischen Hauptstadt herrschte eine aufgeschreckte Betriebsamkeit, auch die weltweiten Rohstoff- und Aktienmärkte betrachteten die Entwicklung mit zunehmender Sorge.

Sie ist nicht unbegründet, denn sollten sich die Spannungen in Osteuropa verschärfen, sind erhebliche Konsequenzen für die globalen Rohstoffmärkte zu erwarten. Dabei sind stark steigende Preise nur eine der möglichen Folgen. Gravierender wäre eine massive Knappheit, die erneut zu Produktionsunterbrechungen führt. Diese hätte nicht nur die russische Wirtschaft zu fürchten, der plötzlich die Abnehmer fehlen, sondern ebenso auch die westliche, der unvermittelt die benötigten Rohstoffe fehlen werden.

Russlands Wirtschaft ist immer noch sehr stark auf die Rohstoffmärkte ausgerichtet. Das Land ist ein wichtiger Lieferant nicht nur von Öl und Gas, sondern auch von Metallen und Agrarrohstoffen. Sollte sich die Führung in Moskau militärisch in der Ukraine engagieren, sind im Gegenzug westliche Sanktionen zu erwarten.

Harte Sanktionen hätten harte Konsequenzen
Durch sie würden ohne stark angespannte Lieferketten nochmals deutlich belastet werden, denn je nach Strenge und Umfang der Sanktionen könnte ein erheblicher Teil des weltweiten Rohstoffangebots plötzlich nicht mehr zur Verfügung stehen. Keine bleibenden Auswirkungen auf die Versorgung mit Rohstoffen und ihre Preise würden sich ergeben, wenn der Konflikt nicht eskaliert oder im Konfliktfall die westlichen Sanktionen nicht allzu hart ausfallen sollten.

Kommt es jedoch zu einem Konflikt, stehen sowohl die russischen Gaslieferungen durch die Ukraine wie auch der Export der ukrainischen Agrarrohstoffe Weizen und Mais auf unsicheren Beinen. Richtig unangenehm wird es jedoch, sollte der Westen auf eine kriegerische Entwicklung in der Ostukraine mit harten Sanktionen reagieren, die sich gegen russische Schlüsselindustrien wenden.

In diesem Fall sind nicht nur Warenlieferungen betroffen, die aus der Ukraine selbst stammen oder über ihr Territorium nach Westeuropa geliefert werden. Vielmehr wäre eine erhebliche Verknappung auf den Energie-, Metall- und Agrarrohstoffmärkten zu befürchten, was die ohnehin schon hohen Preise nur noch weiter anheizen würde. Auch ein Ausschluss Russlands aus dem internationalen Zahlungsverkehr könnte zu erheblichen Erschwernissen für den Handel führen.

Erdgas könnte zu einem Luxusgut werden
Extreme Auswirkungen könnte die Krise auf die europäischen Energiemärkte, besonders auf den Gasmarkt, haben, denn je nach Land und Region kommen 40 bis 50 Prozent der benötigten Erdgaslieferungen aus Russland. Ausfälle in diesem Ausmaß dürften nur schwer durch andere Produzenten auszugleichen sein, denn schon jetzt ist die Nachfrage hoch und das Angebot noch nicht einmal durch Sanktionen begrenzt.

Zudem dürften die Transportrouten sowohl über die Ukraine, als auch über die Jamal-Europa-Pipeline über Weißrussland und Polen, die Nord Stream-Pipeline über die Ostsee und die TurkStream-Pipeline über das Schwarze Meer betroffen sein. Die bereits fertiggestellten, aber von den deutschen Behörden noch nicht zur Nutzung freigegebenen Stränge der neuen Nord-Stream-2-Pipeline dürften ebenfalls kaum in Betrieb gehen können.

Sollten die Sanktionen ähnlich wie im Fall der Krim über Jahre hinweg Bestand haben, dürften Europas Energiemärkte in ein anhaltendes Chaos gestürzt werden, sodass spätestens der nächste Winter zu einer extremen Herausforderung werden könnte. Massive Auswirkungen sind auch auf das Rohöl zu erwarten, denn nach Saudi-Arabien ist Russland der zweitgrößte Erdölproduzent.

Im Fokus Aluminium und Nickel
Massive Verwerfungen sind auch für den Bereich der Metalle zu erwarten. Hier werden leicht Erinnerungen an das Jahr 2018 wach, als US-Sanktionen gegen den russischen Aluminiumproduzenten Rusal den Aluminiummarkt erschütterten. Für das Aluminium ist die russische Produktion nicht unbedeutend, denn nach China ist man weltweit der zweitgrößte Aluminiumproduzent.

Sechs Prozent der Weltproduktion werden in Russland erzeugt, was einem Anteil von 15 Prozent an dem Aluminium entspricht, das nicht in China hergestellt wird. Da der Aluminiummarkt bereits jetzt defizitär ist, würde ein Ausfall der russischen Produktion durch westliche Sanktionen die am Markt herrschende Anspannung nochmals deutlich verschärfen.

Gravierend werden auch die Auswirkungen auf die grünen Metalle Nickel und Kupfer sein. Gleichzeitig beherrschen die russischen Produzenten, allen voran Norilsk Nickel, den Markt für Palladium. Es ist vor diesem Hintergrund unrealistisch, zu erwarten, dass ein Ausfall der russischen Nickel-, Palladium- und Kupferlieferungen auf die internationalen Märkte und ihre reibungslose Versorgung keinen gravierenden Einfluss hätte.

Last but not least drohen auch die Lebensmittelpreise im Supermarkt zu steigen, denn Russland ist ein wichtiger Weizenexporteur. In den vergangenen Jahren wurden pro Jahr stets mehr als 85 Millionen Tonnen Weizen geerntet und fast 40 Millionen Tonnen davon exportiert. Russlands Anteil am weltweiten Weizenhandel liegt deshalb bei fast 20 Prozent, wobei die Türkei und Ägypten in dieser Sparte zu den größten russischen Kunden zählen.

Noch stehen die Kontrahenten miteinander im Dialog. Doch sollte dieser scheitern und die Situation eskalieren, dürften auf die internationalen Rohstoffmärkte sehr schnell sehr schwierige Zeiten zukommen.

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