Aus europäischer wie auch aus amerikanischer Sicht war das Jahr 2021 für die Edelmetalle Gold und Silber eher ein maues Jahr. Von der ansteigenden Inflation konnte das gelbe Metall nicht profitieren und auch politische Krisen wie das russische Säbelrasseln an der Grenze zur Ukraine führten nicht dazu, dass die Anleger das Gold für sich entdeckten.     

Auch das Silber enttäuschte weitgehend, obwohl es als „grünes“ Edelmetall für die Energiewende geradezu unverzichtbar ist. Und an dieser Stelle ist nicht nur die hohe Silbernachfrage im Solarsektor von Bedeutung. Auch die Elektromobilität wird ohne Silber eine Fata Morgana bleiben.

Ganz anders als bei uns stellt sich jedoch die Situation in der Türkei dar. Hier spielt das Gold, ähnlich wie im deutschsprachigen Raum traditionell eine große Rolle, wenn es darum geht, das eigene Vermögen vor Inflation zu schützen. Diese Funktion hat das Gold in der Türkei auch im Jahr 2021 tadellos erfüllt.

In Türkischer Lira, der Landeswährung, gerechnet, verteuerte sich sein Preis um rund 80 Prozent. Damit vollzog das Gold eine ähnlich starke Aufwertung wie der Euro oder der US-Dollar, die beide heute in Lira gerechnet ebenfalls um rund 80 Prozent teurer sind als noch zu Beginn des Jahres.

Taugt das Gold noch als Inflationsschutz?
Von den türkischen Aktien lässt sich dies hingegen nicht behaupten. Zwar vollzog auch der Aktienmarkt in Istanbul einen rasanten Anstieg. Dieser ließ die Kurse allerdings „nur“ um 42 Prozent steigen. Das liegt zwar deutlich über der Inflationsrate, die aktuell bei rund 20 Prozent liegt, doch den Wertverlust zum Euro oder US-Dollar konnte ein Anleger auf diese Weise nicht ausgleichen.

Die immer wieder kritisch gestellte Frage nach Gold als Inflationsschutz kann deshalb immer noch positiv beantwortet werden, auch wenn aus rein europäischer oder amerikanischer Sicht das Jahr 2021 vermuten lässt, dass das Gold seine oft behauptete Stellung als Hort der Stabilität und sicherer Hafen verloren zu haben scheint.

Dies ist allerdings nur eine Momentaufnahme und das Schöne an Momentaufnahmen ist, dass man mit ihnen vieles erklären kann. Das Schlechte an den Momentaufnahmen ist, dass der Moment, den man betrachtet hat, schon im nächsten Augenblick wieder Geschichte ist und sich die Lage dann möglicherweise wieder ganz anders darstellt.

Auch das Jahr 2021 sollte man hinsichtlich der Frage, ob das Gold noch einen brauchbaren Infektionsschutz darstellt, deshalb nicht überbewerten, denn auch hier hängt die Antwort nicht so sehr vom Gold, wohl aber vom Blickpunkt des Urteilenden ab.

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